„…Riding is in our genes.“

Das zweite Jahr der Escola geht zu Ende.

Es ist unglaublich wie viel man in zwei Jahren lernen kann. Und doch je tiefer man in die Welt der Pferde und der Reiterei eintaucht desto mehr wird einem bewusst, dass man immer noch an der Oberfläche schwimmt.

Im letzten Kurs hat man nun schon gemerkt, dass es jetzt richtig ernst wird. Die Ansprüche werden höher, es wird mehr Präzession verlangt, nun geht es an die Details. Das dritte Jahr wird also richtig intensiv und wir werden sicher alle hart Arbeiten müssen, wahrscheinlich auch an unsere Grenzen kommen. Aber erst dann lernt man sein Pferd und auch sich selbst wirklich kennen.
Das eine sind die Lektionen die wir erarbeiten und die auch wirklich viel Freude machen, egal ob Galopppirouetten, Piaffe oder die ersten Ansätze einer Passage, aber das viel wichtigere ist die Essenz des Reitens, das Vertrauen des Pferdes, dem Pferd in jeder Minute die man Reitet zu helfen, die Tiefe der Reiterei.

Ich habe zunehmend gemerkt wie ich in jedem Pferd seine eigene Schönheit wahrnehme, mich nicht mehr von spektakulären Gängen blenden lasse. Das Potential in jedem Pferd zu sehen und heraus zu arbeiten das ist die wahre Kunst des Reitens. In der Escola geht es auch genau darum, zu lernen ein Pferd zu spüren und ihm zu helfen in jedem Moment, nicht nach irgendeinem Schema sondern individuell für jedes Pferd. Einem wahren Reiter geht es nicht darum möglichst spektakulär zu erscheinen und Lektionen der hohen Schule zu zeigen, sondern sich sofort auf jedes Pferd einzulassen, zu spüren was es braucht und dies dann bestmöglich umsetzten.

Ein Satz von Manuel hat mich zum Nachdenken gebracht. „ The man and the horse are together since the beginning. Riding is in our genes.“

Wir haben bei einem Kurs dieses Jahr die Arbeit an der Tourinha ausprobiert und erst in diesem Moment wurde mir das so richtig bewusst. Im Moment wenn man im vollen Galopp auf einer engen Wendung mit seinem Pferd ist, den (Plastik)Stier im Rücken, steht die Welt still, man ist eins mit seinem Pferd und es herrscht vollkommenes Vertrauen. Zwei Herzen schlagen im selben Takt. In diesem Moment denkt man nicht, man handelt mit purem Instinkt. Ich hatte noch nie nach 2 Minuten Galopp so Herzklopfen. Das sind die Momente für die man reitet und in denen man die tiefe Verbindung zwischen Reiter und Pferd spürt.

Aber auch sonst haben mich die zwei Jahre viel gelehrt und meine zwei Jungs haben sich sehr gut entwickelt.

Auch das Unterrichten macht mir sehr viel Spaß, und auch da merke ich wie mich die kleinen Dinge erfreuen, die für das jeweilige Pferd oder den Reiter aber ein großer Schritt sind.
Zum Beispiel der erste richtige Galopp eines 10 jährigen Haflingers der immer falsch anspringt, die ersten ruhigen Galopptraversalen von einem Warmblut, der immer los rennt wenn er die Diagonale sieht, das erste mal Touchieren einer Stute, die sich nie von der Gerte berühren ließ, der erste ruhige Trab eines Ponys, dass schon 3 mal wieder zum Händler zurückkam, weil es keiner reiten konnte, die erste Ecke im Kontergalopp von einem Haflinger, die erste große Tour im Galopp ohne einfach abzubiegen, das erste mal Trab unter dem Sattel frei bei einem jungen Tinker.

Ich freue mich sehr auf 2020. Es wird ein reiterlich sehr aufregendes Jahr für mich. Zusätzlich zu meinen 6 letzten Blöcken der Escola, bin ich auch 6 Tage auf der Feira und starte dort am Turnier, Fahre im September auf Klassenfahrt nach Portugal, und habe die große Ehre mit Manuel und 20 seiner Schüler auf der Golega in Portugal aufzutreten.

 

Foto: Paulina Vogelgsang